Zeitgeschichte in der Pulverfabrik Liebenau

Tief beeindruckt und nachdenklich verließen die Mitglieder der Fachgruppe Geschichte sowie historisch interessierte Eltern der Albert-Schweitzer-Schule das Gelände der ehemaligen Pulverfabrik Liebenau, durch das - außerordentlich kompetent - Martin Guse als Geschäftsführer der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau geführt hatte. Dieser stellte einige der weit über 400 vorhandenen, mehr oder weniger erhaltenen Fabrikations- und Wohngebäude den Besuchern zur Besichtigung vor und wies dabei auf das riesige Ausmaß des Geländes hin, das in der zur Verfügung stehenden Zeit nur per Auto einigermaßen zu überblicken war.

Fachschaft Geschichte der ASS in der Pulverfabrik Liebenau

Martin Guse trug den Teilnehmern engagiert die technische Seite (Pulverherstellung, Infrastruktur, Logistik) vor, ging stärker auf den Verwertungszusammenhang (Aufrüstung Hitler-Deutschlands, 2. Weltkrieg) ein und hob besonders die 'menschliche Seite' hervor, indem er beispielhaft einige (von Zehntausenden) Zwangsarbeiter, ihre Herkunft, ihre Namen und ihr persönliches Schicksal anhand von bestimmten Dokumenten, Gebäuden und Orten vorstellte (z.B. Hinrichtungsstätte auf dem Gelände der heutigen Grund- und Hauptschule Liebenau). Wirklich lebendig wurden diese steinernen Zeugen und Papiere dadurch, dass Martin Guse von den überlebenden Zeitzeugen berichtete, die er z.B. aus der Ukraine ausfindig gemacht  und nach Liebenau eingeladen hatte. Die Bereitschaft der ehemaligen Zwangsarbeiter, über ihre Erlebnisse von damals an diesem Ort zu berichten und auch mit alteingesessenen Einheimischen zu sprechen, legte einen Grundstein für Aufklärung, Aufarbeitung und Verständnis. Gerade die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen war und ist Martin Guse eine Herzensangelegenheit und auch ASS-Schüler und Schülerinnen haben bereits an den vielfältigen Angeboten der Dokumentationsstelle Pulverfabrik mit Gewinn teilgenommen.
Frau Dr. Neumann, welche den Besuch der ASS bei der Pulverfabrik organisiert hatte, fasste die sicherlich einhellige Meinung der Teilnehmer zusammen, als sie abschließend feststellte: "Diese Arbeit und dieses Engagement sowie die Entstehung einer entsprechenden Gedenk- und Bildungsstätte in Liebenau verdienen es unbedingt, weiter unterstützt zu werden!"
Dr. Martina Neumann
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